Willst du endlich eine Geschäftsidee finden, die wirklich funktioniert, fühlst dich aber von den Ratschlägen im Internet völlig erschlagen? Willkommen in der Welt des Lärms.
Du kennst das sicher:
“Mach erst eine SWOT-Analyse deiner Stärken und Schwächen!”
– Ratschläge aus dem Internet und Freudeskreis
“Nein, starte mit Design Thinking!”
“Quatsch, nur eine Marktvalidierung zählt – vergiss deine Leidenschaft!”
“Falsch! Follow your passion, das Geld kommt von allein.”
“Auf keinen Fall! Viel sicherer ist es, eine fertige Idee woanders zu kopieren, die schon funktioniert!”
Warum ich diesen Schmerz so gut kenne: Ich bin diesen Weg 13 Jahre lang gegangen. Ich kenne die tiefe Frustration eines kreativen, ambitionierten Menschen, der einfach nur das Richtige aufbauen will, aber vor lauter “Best Practices” die eigene Stimme nicht mehr hört. Ich wünschte, ich hätte damals gewusst, was ich heute weiß – es hätte mir Jahre an Ärger und Unruhe erspart.
Wie findet man eine Geschäftsidee?
Eine tragfähige Geschäftsidee entsteht nicht einfach, sondern durchläuft eine Evolution in fünf Phasen. Was oft mit einem persönlichen Auslöser (Phase 1) beginnt, führt über den Versuch der Imitation (Phase 2) und die Suche mit Standardmethoden (Phase 3) dann in die Suche nach Motivation (Phase 4), dabei landet man bei einer “selbst erschaffenen Festanstellung”. Wahre Innovation entsteht erst im „Soul-Business-Fit“ (Phase 5), wenn du eine echte Ich-Du-Beziehung aufbaust und dein Business zur logischen Konsequenz deiner Identität wird.
Vom Suchen zum Wachstum

Hallo, ich bin Chi, Gründerin von Solostarter. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, Menschen zu helfen, die perfekte Geschäftsidee zu finden, die wirklich zu ihnen passt. Ich glaube, dass der Mensch selbst das Ziel ist und nicht das Werkzeug.
Deshalb kannst du eine Geschäftsidee nicht einfach “finden” wie einen Gegenstand. Sie ist eher wie ein Samen, der durch einen langen Prozess – in unserem Fall 5 Phasen – gehen muss, um als starke Pflanze herauszuwachsen.
In diesem Artikel zeige ich dir keine flache Liste mit “10 schnellen Ideen” – glaube mir, damit kommst du nicht weit – sondern die 5 Phasen der Evolution jeder Geschäftsidee.
Zusammenfassung: Die 5 Phasen deiner Evolution
Warum du intuitiv kopierst, rational konstruierst und am Ende doch in der “Selbstständigen-Falle” landest.
- Phase 1: Der Aufbruch (Der Trigger) – Dein Leidensdruck wird größer als die Angst. Du willst weg, weißt aber nicht wohin.
- Phase 2: Die Mimikry (Die intuitive Methode) – Du suchst Sicherheit im Außen und kopierst funktionierende Modelle (“Dropshipping”, “Foodtruck”), statt eigene Stärken zu nutzen.
- Phase 3: Die Konstruktion (Die rationale Methode) – Du nutzt Logik-Tools wie SWOT oder Lean Startup und filterst Ideen nach dem Prinzip „Trial and Error”. Du gibst auf, sobald der Markt nicht anspringt.
- Phase 4: Der Kompromiss (Die holistische Methode) – Du suchst “Motivation” mit Frameworks wie Ikigai. Damit baust du dir einen Job auf, der nicht viel anders aussieht als eine Anstellung.
- Phase 5: Der Soul-Business Fit (Die Befreiung) – Du baust eine Ich-Du Beziehung zu dir und deinem Angebot auf. Deine Idee entsteht aus dem, wer du bist.
Wir gehen den Weg vom ersten Funken (“Vielleicht will ich gründen…”) bis zur festen Gewissheit: “Das ist meine Idee, und ich weiß genau, wie ich sie umsetze.”
Wenn du diesen Artikel gelesen hast, wirst du von der tiefsten Ebene verstehen, dass du keine Geschäftsidee finden kannst, sondern nur dadurch, dass du dich selbst findest – und in dir ist diese Idee bereits mit dir vereint. Damit hast du nicht nur eine Geschäftsidee gefunden, sondern dich selbst als Super-Individuum ausgebildet.
Bist du bereit, den Lärm abzuschalten und deine Wahrheit zu finden? Dann lass uns starten.
Phase 1: Der Auslöser – Die Verlockung von Außen
Kennst du das?
Du bist auf einer Hochzeit. Ein alter Kumpel, den du zehn Jahre nicht gesehen hast, erzählt dir, dass er jetzt Kokosöl auf Amazon verkauft. Er hat gekündigt, ist sein eigener Chef und hat sogar zwei Mitarbeiter. Oder du liegst abends auf der Couch, scrollst durch TikTok und siehst jemanden, der erzählt: „Letztes Jahr habe ich einen Food Truck gekauft. Heute arbeite ich nur noch sechs Monate im Jahr.“
Der „Amiando-Moment“: Das hätte ich auch gekonnt!
Ich kenne diese Momente nur zu gut. Bei mir hat es im Jahr 2011 Klick gemacht, als ich in den Nachrichten las, dass das Ticketing-Portal Amiando an Xing verkauft wurde. Ich erinnere mich nicht mehr genau, für wie viele Millionen der Verkauf erfolgte, aber ich erinnere mich an meinen Schock.
Ich arbeitete damals in der IT-Branche und kannte die Seite, die damals noch ein kleiner Newcomer war. Damals war Event-Ticketing oft ein Problem für kleine bis mittlere Veranstalter: Das Event ist meistens zu groß, um die Registrierung manuell zu bearbeiten, aber zu klein, um eine eigene Software zu entwickeln. Mit Amiando war es erstmals möglich, für kleines Geld eine professionelle Registrierung aufzusetzen – egal ob mit oder ohne Bezahlvorgang. Was Amiando machte, war nicht kompliziert. Ähnliches habe ich mit meinem Outlook-Account und einer Excel-Tabelle auch erstellt. Aber ich war nie auf die Idee gekommen, dass man so etwas Einfaches programmieren und verkaufen kann.

Ich erinnere mich immer noch an meine Stimme: Das hätte ich auch gekonnt!
Solche Momente habe ich unzählige Male erlebt – immer tauchte eine leise Stimme auf, der ich nicht entkommen konnte: Das kann ich auch! Irgendwann konnte ich diese Stimme nicht mehr ignorieren. Ich kündigte meinen gut bezahlten Corporate-Job, um mich selbstständig zu machen. Ja, Ende 2012 kündigte ich den Job und startete meine Reise in die Selbstständigkeit.
Die Psychologie hinter der Idee: Eine Formel
Heute weiß ich: Diese Momente sind kein Zufall. Es ist eine psychologische Formel. Der Auslöser, um überhaupt eine Geschäftsidee zu entwickeln, funktioniert nur, wenn zwei Faktoren aufeinanderprallen:
- Der Gewinn-Faktor (High Reward):
Es muss genug sein, um deinen Job zu kündigen. Nicht zwingend Millionen, aber so viel, dass du deinen Lebensunterhalt besser bestreiten kannst als im Angestelltenverhältnis. - Der Einfachheits-Faktor (Simplicity):
Es muss so einfach aussehen, dass deine inneren Barrieren fallen und du denkst: „Das schaffe ich auch.“

Wenn diese beiden Faktoren zusammenkommen, verwandelt sich die leise Stimme „Das kann ich auch“ in einen Drang, dem du irgendwann nicht mehr widerstehen kannst: „Das will ich auch.“
Warum „Einfach“ wichtiger ist als „Gewinn“
Oft denkt man, dass der Entschluss, ein Geschäft aufzumachen, durch das „Es ist viel Geld“ ausgelöst wird. Daher interpretiert man ihn als „gierig“ – ich selbst auch. Lange habe ich mir eingeredet: „Du hast einen gut bezahlten Job und ein gutes Leben, von dem viele nur träumen können – warum kannst du dich nicht damit zufriedengeben?”
Was ich nicht wusste: Wenn es bei dir den Klick macht, spielt der Faktor „Einfachheit“ eine deutlich größere Rolle als der Faktor „Gewinn“. Ich habe Jahre damit verbracht, diese eine Lektion zu lernen: Was dir einfach erscheint, ist eine persönliche Einladung zum Ausprobieren.

Kennst du solche Tipps? Wie findest du deine Talente? Oft liegt dein Talent in Dingen, die dir leichtfallen, anderen aber nicht. Das ist das perfekte Beispiel dafür, warum „Einfach“ viel wichtiger ist. Das ist, meiner Meinung nach, das Wertvollste, was ich aus den letzten 13 Jahren gelernt habe. Aber ich will dir nicht einfach erzählen, dass es so ist, sondern auch noch erklären, warum das so ist:
Die Philosophie der Begegnung (Martin Buber)
Der Philosoph Martin Buber glaubt, dass die Welt grundsätzlich aus zwei Beziehungen besteht: „Ich-und-Es“ und „Ich-und-Du“. (Wenn dich das Thema anspricht, kannst du gern meinen Beitrag „Wie die Beziehung Ich-und-Es und Ich-und-Du dich verändert“ lesen).
Die beiden Faktoren haben auch ihre jeweiligen Zuordnungen:
- Der Gewinn-Faktor = Ich-und-Es: Eine Welt der Funktion. Hier geht es um Zweck, Nutzen und Wert.
- Der Einfachheits-Faktor = Ich-und-Du: Eine Welt der Begegnung. Hier geht es um Verbindung, Erfahrung und Selbstentfaltung.
- Und das Wichtigste: Ein Mensch kann niemals von einem „Ich-und-Es“ berührt werden. Vorteile können verführen, aber nicht berühren. Der Moment, in dem man sagt: „Das will ich unbedingt“, findet ausschließlich statt, wenn „Ich-und-Du“ ins Spiel kommt. Hier hat eineechte Begegnung stattgefunden. Das ist eine Einladung, an Bord zu springen und das Abenteuer zu beginnen.

Keine Gier, sondern eine Erlaubnis
Ich habe die Einladung angenommen. Dieser Moment hat mir kein Geld versprochen, sondern mir zum ersten Mal eine ganz andere Möglichkeit gezeigt: dass ich eine echte Alternative zum Leben habe. Zum ersten Mal hat es mir die Möglichkeit eröffnet, dass ich vielleicht einfach nach meinen Wünschen, Interessen und Vorteilen etwas kreieren kann. Und mit dem, was ich als Teil von mir identifizieren kann, kann ich mein Leben bestreiten.
Das war keine Gier, auf keinen Fall! Ganz im Gegenteil: Es war eine Erlaubnis, die mir sagte: „Du darfst träumen, und es wird dir dabei gut gehen!” Zum ersten Mal hatte ich mir selbst die Erlaubnis erteilt, einen anderen Weg zu gehen. In dem Moment, als ich merkte, dass ein echter Wunsch entstanden war – „Das will ich auch“ –, erteilte ich mir selbst die Erlaubnis, es auszuprobieren.
Der kalte Sprung in die erste Geschäftsidee: Zum ersten Mal scheitern lernen

Das war die konsequente Folge des vorherigen Hin und Her: Ende 2012 konnte ich diese Stimmen nicht mehr ignorieren. Die leise Idee „Das kann ich auch“ war längst verschwunden, stattdessen hörte ich ständig die neue Stimme „Ich will das unbedingt“.
Ich kündigte meinen gut bezahlten, sicheren und aus heutiger Sicht fast unkündbaren Corporate-Job und startete meine Reise in die Selbstständigkeit. Was die Geschäftsidee angeht, ja, da hatte ich Folgendes gedacht: Ich weiß schon ganz genau, was ich will.

Was ich nicht wusste, ist, dass dieser Auslöser noch lange keine fertige Idee ist. Eine Erlaubnis öffnet nur die Tür, aber ich hatte damals noch keine Ahnung, worauf ich mich eingelassen hatte. Denn wie die meisten Anfänger beim Gründen habe auch ich mir das Geschäftsidee-Finden viel zu einfach gedacht.
Schnell begann meine zweite Phase. So erlebte ich meine ersten Weihnachten ohne sicheren Job, mitten in meiner ersten Gründung mit meiner allerersten Geschäftsidee, die ich eigentlich nur kopiert hatte: Selbst ist der Tee, ein Online-Teegeschäft.
Phase 2: Die Nachahmung – Die Illusion des Kopierens
Obwohl dies als zweite Phase bezeichnet wird, beginnst du tatsächlich erst jetzt in einem echten Sinne mit der Suche. Du fängst in Phase 2 zum ersten Mal ernsthaft an, dich mit der Frage auseinanderzusetzen: Ich möchte ein Geschäft aufmachen, aber was genau soll ich konkret machen?
Der Beginn: Vom abstrakten Wunsch zur konkreten Idee
Zu diesem Zeitpunkt wird der abstrakte Wunsch konkret. Das Beispiel mit dem Food Truck auf dem Festival oder der Freund, der auf Amazon Kokosöl verkauft, lässt die Fantasie anspringen. Du denkst: Soll ich mir auch einen Food Truck kaufen? Oder sollte ich auch einen Amazon-Shop eröffnen? Du lernst Begriffe wie Dropshipping kennen, googelst nach Kostenkalkulation für einen Foodtruck. Kurz gesagt: Deine erste Geschäftsidee ist, eine vorhandene Geschäftsidee zu kopieren.
Das weiß ich zu gut – denn so fing ich auch an. Meine allererste Geschäftsidee war es, das Geschäftsmodell von Prof. Faltin zu kopieren: Teekampagne. Ein soziales Experiment ursprünglich, und später als ein nachhaltiges Unternehmen entwickelt hat, das nicht nur wirtschaftlich erfolgreich war, sondern auch noch vielen Teefarmern in Indien mit Fair Trade Marken hilft.

Die Details kannst du in meinem Kurs erfahren, hier die Kurzversion lautet: Natürlich war mein erstes Projekt gescheitert. Aber das war eine der wertvollsten Erfahrungen, die ich je gemacht habe.
Warum Kopieren kein Verbrechen ist
Vielleicht denkst du, dass das Scheitern daran liegt, dass ich die Idee kopiert habe. Das sollte man ja bekanntlich nicht. Beim Gründen eines Unternehmens verurteilen wir das Kopieren gern als unkreativ. Aber warum eigentlich? Natürlich sollte man keine Patente stehlen, aber was spricht dagegen, in einer guten Lage ein zweites Restaurant zu eröffnen, wenn das erste gezeigt hat, dass die Lage super ist?
Meiner Meinung nach ist das Kopieren ein unvermeidlicher Schritt auf dem Weg zur Unternehmensgründung. Niemand sollte sich dafür schämen. Schließlich ist der Erfolg der anderen der ultimative Proof of Concept ist. Es ist der Beweis, dass man damit Geld verdienen kann. Warum also das Rad neu erfinden? Warum Zeit und Energie auf ungetestete Risiken verwenden, wenn der Pfad schon ausgetrampelt ist?
Ich gehe so weit zu sagen: Ein Unternehmer, der nicht zumindest einmal versucht war, diesen Weg zu gehen, hat die Marktmechanik nicht verstanden. Inspiration und Nachahmung sind Teil der Evolution.

Die drei Typen der Nachahmung
Darum möchte ich das “Kopieren” unter die Lupe nehmen. Als Expertin für die Suche nach Geschäftsideen habe ich das Feld der Nachahmung analysiert. Es gibt keine unendlichen Möglichkeiten. Es gibt exakt drei Pfade. Egal, welche Art von Idee du kopieren möchtest, sie fällt unvermeidlich in eine dieser drei Kategorien. Es gibt keine vierte.
- Der Markt-Beweis: Hier kopierst du das „Was“. Die Logik dahinter ist einfach: Du hast gesehen, dass es funktioniert – entweder seit Jahrhunderten oder seit gestern.
- Die Klassiker: Das sind die Modelle, die du kennst: Restaurant, Café, Agentur oder Einzelhandel – Du weißt, dass man davon leben kann, weil sie seit Jahrzehnten validiert sind.
- Die Fast-Follower: Das sind Klone neuer Erfolgsmodelle. Sobald Airbnb oder Facebook in den USA erfolgreich sind, kopieren Gründer das Modell sofort für ihren Markt (zum Beispiel Wimdu oder StudiVZ). Egal, ob alt oder neu: Du kopierst ein validiertes Ergebnis.
- Das Markt-Potenzial: Hier kopierst du das „Wann“. Du setzt auf Geschwindigkeit, um Konkurrenz zu vermeiden. Du suchst nach Themen, die gerade explodieren, während der Rest des Marktes noch schläft. Du googelst nach „Business Trends 2026“ oder schaust Videos zu „Mit AI Geld verdienen“. Dein Ziel ist der Vorsprung (First-Mover-Advantage). Du kopierst den Zeitpunkt.
- Die Markt-Formel: Hier kopierst du das„Wie“. Du kaufst eine fertige Anleitung, um mehr Sicherheit zu erlangen. Du suchst aktiv nach SOPs (Standard Operating Procedures). Themen wie „So eröffnest du dein eigenes Food-Truck-Business“ oder Begriffe wie „Blueprint“ sprechen dich an. Du kaufst hier nicht die Idee des Food Trucks (das wäre Kategorie 1), sondern die Gebrauchsanweisung für den Erfolg.
Der Glaube
Hinter diesem Vorgehen steht eine tiefe Überzeugung oder besser gesagt eine Obsession, die dich unterstützt und dich glauben lässt, dass du das Richtige tust. Sie lässt dich glauben, dass sich deine Anstrengungen auszahlen werden. Tatsächlich ist eine solche feste Überzeugung der wertvollste Grundstein auf dem Weg zum unternehmerischen Erfolg. Darum möchte ich noch einmal unterstreichen, dass du den Gedanken “Kopieren” nicht einfach verachtest – bei manchen ist es der Kern, warum es am Ende geklappt hätte.

Denn der Glaube daran, dass etwas erfolgreich sein wird, ist oft noch viel wichtiger als die Qualität der Idee selbst. Aber lass uns dennoch deine Überzeugung hier klären. Wie ich bereits erwähnt habe, ist der dahinterliegende Glaubensmechanismus sehr einfach, fast selbstverständlich: Dies ist ein Weg, den andere bereits gegangen sind. Wenn sie es schaffen konnten, kann ich es auch.
Egal ob du dich entscheidest, ein Geschäftsmodell zu kopieren, ein populäres Konzept zu übernehmen oder einen fertigen Kurs kaufst – welchen Weg du auch gehst, der Glaube dahinter ist derselbe: Dies ist ein bereits erfolgreicher, bewährter Weg. Da er erfolgreich ist und andere es geschafft haben, kann ich es auch schaffen.
Der offensichtliche Denkfehler
Natürlich ist dies eigentlich recht einfach zu erklären. Die Falle dahinter wird offensichtlich, nachdem du sie durchlaufen hast. Man könnte sogar sagen, du wirst denken: Das versteht doch selbst ein Dummkopf! Aber wenn du davor stehst und von dieser Falle verlockt wirst, wirst du dennoch nicht widerstehen können, hineinzuspringen. Der Name dieser Falle lautet: Survivorship Bias (Überlebensverzerrung).

Hast du schon einmal von diesem Begriff gehört? Die Herkunft des Survivorship Bias stammt aus dem Zweiten Weltkrieg. Der Statistiker Abraham Wald sollte herausfinden, wo Bomber verstärkt werden sollten. Man untersuchte die zurückgekehrten Flugzeuge und stellte fest, dass die Flügel die meisten Einschusslöcher aufwiesen. Die naheliegende Schlussfolgerung wäre gewesen, genau diese Bereiche zu verstärken.
Doch Wald erkannte den entscheidenden Punkt: Die Flugzeuge, die zurückkehrten, hatten überlebt, obwohl sie an den Flügeln getroffen wurden. Die Flugzeuge, die nicht zurückkehrten, waren an anderen Stellen getroffen worden – dort, wo keine Einschusslöcher zu sehen waren, nämlich am Motor und am Cockpit.

Das ist das Phänomen. Wenn du von einem bereits erfolgreichen Ergebnis ausgehst, kannst du zehntausend Gründe für seinen Erfolg finden. Aber in Wahrheit ist deine Perspektive verzerrt, weil du von Anfang an das Gesamtbild nicht gesehen hast. Du siehst das erfolgreiche Café (die zurückgekehrten Flugzeuge). Aber du siehst nicht die unsichtbaren Faktoren, die es am Leben halten (den Motor). Als jemand, der nachahmt, ist es sehr schwer, wirklich jeden Schritt nachzuvollziehen, den sie gegangen sind.
Der Irrtum
Aber, ich gehe noch einen Schritt weiter, Survivors Bias hin oder her, der Kern liegt ganz woanders. Ich bin fest davon überzeugt, das Problem ist das hier:
Du glaubst, du suchst nach einer Geschäftsidee, aber in Wirklichkeit suchst du nicht nach einer Geschäftsidee, sondern nach einem bereits vollständig ausgereiften Endprodukt.
Egal ob du eine Dienstleistung oder einen Online-Shop kopieren willst – in dem Moment, in dem du startest, ist dein Ausgangspunkt bereits das fertige Produkt. Das heißt: Was du kopieren willst, ist immer nur ein fertiges Endprodukt. Von einem fertigen Endprodukt rückwärts zu erschließen, wie es Schritt für Schritt zum Erfolg gekommen ist – die Krisen und Risiken auf diesem Weg sind in Wahrheit nicht weniger riskant als der Weg, bei dem du tief in deinem Inneren findest, was du wirklich tun willst. Tatsächlich ist dies meiner Meinung nach sogar ein riskanterer Weg.
Die Realität
Du musst nicht mit mir der gleichen Meinung sein, aber es gibt eine Wahrheit, der du zustimmen musst: Wenn du eine “Idee” kopierst (in Wirklichkeit ein fertiges Produkt reproduzierst), betrittst du einen Markt, der bereits überfüllt ist. Gerade weil es wie eine bereits bewährte Idee aussieht, ist die Konkurrenz stark. Das bedeutet, aktiv trittst du in einen Red Ocean (Roten Ozean) ein.

In einem Red Ocean kämpfen viele Wettbewerber um denselben Marktanteil. Als unerfahrener Neuling stehst du etablierten Geschäftsmodellen und erfahrenen Veteranen gegenüber. Deine Erfolgschancen sind nicht wesentlich höher, als wenn du einen eigenen Weg gehst. Im Gegenteil, ich bin sogar der Meinung, dass deine Gewinnchancen hier geringer und enger sind.
Ich lernte, dass Kopieren nicht einfach ist. Ich wusste nicht warum.
Am wichtigsten aber war etwas anderes: Dieses Scheitern hat mir klar gemacht, dass ein Geschäftsmodell zu kopieren längst nicht so einfach ist, wie es von außen aussieht. Zum ersten Mal habe ich die Ernsthaftigkeit des Gründens wirklich verstanden. Ich habe meine erste Gründung sorgfältig analysiert. Aber damals fehlte mir die philosophische Brille – Meine Analyse und “Lesson learned” waren rein rational und rückblickend, unreif und seicht. Ich habe den eigentlichen Kern des Scheiterns nicht erkannt. Aber auch den Schritt muss man gehen, um sich später auf die philosophische Ebene überhaupt zuzulassen.
Was es wirklich war, erzähle ich dir erst in Phase 4. Denn selbst wenn ich es dir jetzt sagen würde – du könntest den drastischen Bruch zwischen meinem Idealbild und der Realität von damals noch nicht nachvollziehen. Aber ich erzähle dir erstmal, was ich damals gelernt hatte.
„Lesson learned“ aus meiner ersten Gründung
Damals war ich überzeugt, dass mein Hauptproblem die falsche Geschäftsidee war. Ich glaubte, der deutsche Markt eigne sich nicht für hochwertige Lebensmittel. Der Teemarkt sei ein blutroter Ozean, mit ausgereiften Marktmechanismen und festen Preisvorstellungen in den Köpfen der Kunden. Für deutsche Konsumenten ist Tee – ähnlich wie Kaffee – kein Luxusgut, sondern ein alltäglicher Verbrauchsartikel.
Was viele in Deutschland nicht wissen: Über lange Zeit war Tee, gerade Grüntee, hier tatsächlich ein Produkt mit extrem hohen Margen: Es wird grundsätzlich nur die billigste Grüntee Sorte verkauft. Man versteht Tee als “das andere Kaffee, aber ähnlich wie Kaffee”. Denn nur so kann man überhaupt noch Geld verdienen: Hochwertiger Tee hat in Deutschland kaum Chancen.

Tatsächlich unterscheiden sich die Preise für Kaffee und Tee fundamental – besonders bei Grüntee aus China. Der Preis für guten Tee kennt nach oben hin praktisch keine Grenze. Der Vergleichsmaßstab ist eher Kaviar als Kaffee. Die günstigste Variante kann sich fast jeder leisten, doch mit steigender Qualität explodiert der Preis exponentiell. Bei Kaffee hingegen liegt die Preisspanne zwischen billig und teuer in der Regel unter dem Dreifachen. Kaffeesorten mit einem Kilopreis von 100 Euro werden buchstäblich als „die teuersten Kaffees der Welt“ vermarktet.
So funktioniert die Grundlogik der deutschen Konsumenten: Bei Luxusprodukten im Lebensmittelbereich denken sie maximal an Rotwein oder Champagner. Aber selbst da sind die Preisunterschiede viel geringer als bei Tee. Ein sehr guter Wein kostet allenfalls das Zehnfache eines normalen Weins. Eine Flasche, die 100 Euro überschreitet, gilt bereits als absolutes Luxusprodukt. Kurz gesagt: Bei einem Genussmittel ist bei 100 Euro die Obergrenze erreicht.
Aber 100 Euro sind erst der Einstiegspreis. Beim Tee erreicht man mit dem zehnfachen Preis gerade mal „ganz ordentliche“ Qualität, die als „trinkbar“ bezeichnet werden kann. Wirklich hochwertiger Tee kann tausendmal teurer sein als Standardware.
Natürlich spreche ich hier nicht von Extremfällen – für jedes Produkt gibt es absurde Ausnahmen. Aber Tee und Kaffee sind repräsentativ für zwei völlig unterschiedliche Produkte hier. Hochwertiger Kaffee unterscheidet sich im Herstellungsprozess kaum von normalem Kaffee. Hochwertiger Tee hingegen erfordert ein Vielfaches an Zeit, Handwerk und Erfahrung. Die Komplexität und das Risiko – Wetter, Geografie, Verarbeitung – steigen exponentiell.
Der deutsche Markt ist für solche Produkte daher nur sehr begrenzt aufnahmefähig. Es gibt eine gewisse Vorstellung davon, was Tee kosten darf – aber diese darf den Kaffeepreis nicht zu stark überschreiten. Kostet ein Kilo Kaffee 20 Euro, dann darf Tee vielleicht 40 Euro kosten. Aber niemals 400.
Warum mir das „Lesson Learned“ kaum half
Das war meine damalige Schlussfolgerung. Ist sie falsch? Auf keinen Fall! Ich hatte alles richtig erkannt. Aber was ist das Problem dabei? Das offensichtlichste Problem war, dass ich daraus nur eines lernen konnte: In Deutschland keine Genussmittel, Getränke oder Ähnliches verkaufen. Wenn ich nach dem Motto „Trial and Error” vorgegangen wäre, müsste ich alle Industrien durchtesten und würde dennoch nicht wissen, was funktionieren würde und was nicht.
Aber damals habe ich das Wichtigste noch nicht erkannt. Dass der Markt schwierig ist, ist eigentlich gar nicht der Grund. Der Grund, warum ich gescheitert war, lag ganz woanders. Das konnte ich aber erst Jahre später erkennen, nachdem ich ein paar andere (finanziell) erfolgreiche Gründungen freiwillig aufgegeben hatte. Daher bitte ich dich um Geduld, das kann man erst nach Phase 4 erkennen.
Der notwendige Abschied vom Kopieren
Wichtig: Es ist nicht falsch, kopieren zu wollen – ganz im Gegenteil: Es ist eine Phase, die du durchlaufen musst. Selbst wenn du nicht wirklich kopierst, wirst du in deinem Kopf durchspielen, was wäre, wenn du XY kopieren würdest. Dieser Prozess wird dich noch lange begleiten. Erst wenn du dich vollständig von der Idee verabschiedest, eine fertige Idee zu kopieren, beginnst du den nächsten Schritt: Du beginnst dich zum ersten Mal wirklich auf die Suche nach deiner eigenen Geschäftsidee.

Phase 3: Das Labyrinth der Standard-Methoden
Gründen ist wie ein Spiegel. Eigentlich ist es eine gnadenlos ehrliche Abbildung des echten Lebens. Oft weißt du ganz genau, dass du etwas nicht tun solltest – und tust es trotzdem. So lange, bis du es nicht nur verstandesmäßig, sondern tief innen begreifst: Das schadet dir wirklich.
Ich will weiter gründen!
Ein Geschäftsmodell zu kopieren ist ein typisches Beispiel dafür. Bei den oben genannten 3 Typen habe ich versucht, den ersten Typ – den Markt Beweis – zu kopieren, und war gescheitert. Nach dem Scheitern des Online-Shops war ich erst einmal am Boden. Ich hatte die Orientierung verloren. Ich hatte meinen sicheren Job verloren. Gleichzeitig war es für mich kaum noch möglich, mir einfach wieder einen neuen zu suchen. Denn ich hatte bereits gekostet, wie es sich anfühlt, mit der eigenen Kreativität etwas aufzubauen. Wie hoffnungsvoll sich jeder einzelne Tag anfühlen kann.
Davor war mein Arbeitsleben fast komplett gleichförmig. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits fünf Jahre gearbeitet und auch den Job gewechselt. Aber egal wo ich war, meine Arbeitsweise blieb dieselbe: Ich gab alles. Mindestens zwölf Stunden am Tag. Am Wochenende hatte ich praktisch kein Privatleben. Vor lauter Erschöpfung bestand mein Wochenende fast nur daraus, zu schlafen – und kurz vor Ladenschluss noch hektisch die Lebensmittel für die kommende Woche zu kaufen. Das war mein einziges Wochenendprogramm. Abgesehen von dieser einen Stunde Einkaufen habe ich das ganze Wochenende geschlafen, um den Schlafmangel der Woche irgendwie auszugleichen.

Durch ständige Deadlines waren selbst diese zwölf Stunden pro Tag extrem instabil. Manchmal arbeitete ich bis zwei oder drei Uhr nachts weiter. Und trotzdem bestand ein Großteil meiner angeblich „normalen“ Arbeitszeit tagsüber aus sinnlosen Meetings. Die Hälfte der Arbeitszeit ging für Besprechungen drauf. Und diese Meetings waren oft nichts anderes als kollektives Jammern oder ziellose Diskussionen über irgendwelche abstrakten Ziele ohne echten Praxisbezug.
Damals habe ich meinem Arbeitgeber einen Vorschlag gemacht: Wenn es schon KPIs gibt, dann sollte ich meine Arbeitszeit selbst bestimmen dürfen. Denn nur ich kann entscheiden, ob diese KPIs erreichbar sind oder nicht. Wenn meine Zeit ständig durch Aufgaben blockiert wird, die mir von oben zugewiesen werden, dann werde ich zwangsläufig zu einer reinen Ausführungsmaschine. Und dann kann niemand garantieren, dass die KPIs erreicht werden. Heute klingt die Idee gar nicht mehr so blöd, aber damals war so ein Gedanke reine Fantasterei. Man fand meine Naivität eher amüsant.
Was so attraktiv an der Gründung war
Und so war diese Gründung zwar ein Misserfolg – aber nach all dem konnte ich mich nicht mehr zwingen, mein Leben wieder in diesen stillstehenden Sumpf zurückzuschieben: 12 Stunden pro Tag, Meetings, KPIs. Ich hatte gesehen, dass ein anderes Leben nach mir greift. Ich hatte erlebt, wie es ist, jeden Tag nach den eigenen Zielen und Wünschen zu leben und an etwas zu arbeiten, für das man wirklich brennt. Für ein echtes Ziel zu kämpfen und darin den eigenen Wert zu realisieren – das ist mein größter Gewinn aus dieser Erfahrung.



Denn auch wenn diese Gründung gescheitert ist, hat sie mir etwas Entscheidendes gezeigt: Ein Mensch kann jeden einzelnen Tag ohne Widerwillen und ohne Erschöpfung leben. Mehr noch – ein Mensch kann jede Minute absolut selbstbestimmt gestalten. Nicht nur die Arbeit, sondern alles, was zum Leben gehört.
Ich konnte alles mit meinem Gründungsziel verbinden: Wann ich aufstehe, wann ich Sport treibe, einkaufe, koche … Fast jede Minute meines Tages hatte mit dem Gründen zu tun, weil ich im Kopf bei jeder Aktivität an meiner Gründung denke. Und gleichzeitig hatte ich wieder ein echtes Leben: Ich aß richtig, ich trainierte regelmäßig. Zum ersten Mal hatte ich Zeit, gut zu essen und mich um meinen Körper zu kümmern. Mein Schlaf wurde spürbar besser, mein Körper auch.
Zum ersten Mal fing ich an, nach einer Methode zu suchen, um Geschäftsideen zu finden
Nach diesem Scheitern wurde mir klar, dass das Kopieren von Ideen vielleicht gar keine Abkürzung ist, sondern eine Sackgasse. Zum ersten Mal begann ich ernsthaft über eine Frage nachzudenken:
Wie finde ich eine Geschäftsidee wirklich richtig?
Wie macht man es richtig?
Auf diesem Weg bin ich nicht allein. Fast jeder Gründer kommt früher oder später an diesen Punkt – egal ob nach einem gescheiterten Kopierversuch oder gleich bei der Gründung. Die Frage taucht irgendwann immer auf: Wie findet man die richtige Geschäftsidee?
Mit den unten genannten Methoden habe ich viel Erfahrung gesammelt. Die wichtigste Erfahrung machte ich mit meiner zweiten Gründung: CHI-NESISCH
Meine zweite Gründung: CHI-NESISCH
Dieses Projekt heißt CHI-NESISCH und ist ein Online-Chinesischkurs. Als Sinologe und Linguistin ist dieses Projekt kein spontaner Einfall. Ich habe diese Idee mithilfe zahlreicher Methoden entwickelt:
Brainstorming, Mindmapping, SWOT-Analyse, Pain-Point-Analyse, Lean Startup und Design Thinking.
Schon in der Crowdfunding-Phase war das Projekt sehr erfolgreich. Das lag hauptsächlich an meinem ungewöhnlichen Ansatz: In diesem Online-Kurs „CHI-NESISCH” lernst du Chinesisch wie bei Duolingo, aber mit einem ganz anderen Ansatz. Du lernst nur die gesprochene Sprache und keine chinesische Schrift.

Tatsächlich bin ich als Fachfrau fest von dieser Methode überzeugt. Bis heute glaube ich, dass sie eines Tages großen Erfolg haben wird, denn neben der Idee selbst ist auch das Timing wichtig. Das ist allerdings eine andere Geschichte.
Ein verzerrtes Ergebnis: Geld vs. Motivation
Da das Projekt noch läuft, kann ich nicht sagen, dass es gescheitert ist. Aber seine Schwächen sind offensichtlich: Es bringt nicht viel Geld ein.
Wenn ich – wie zuvor beim Tee-Projekt – versuchen würde, meine „Lessons Learned“ zusammenzufassen, käme ich vielleicht zu folgendem Schluss: Mach keine Produkte, die überwiegend nach Stunden abgerechnet werden. Und erst recht keine mit niedrigen Einzelpreisen.
Wie ich bereits betont habe, basieren solche „Erkenntnisse“ jedoch auf dem sogenannten Survivorship Bias. Dabei wird vom Ergebnis ausgegangen und nach Hinweisen für den Erfolg oder Misserfolg gesucht, die wiederum auf dem Ergebnis basieren.
Damals war ich noch nicht in der Lage, das eigentliche Kernproblem zu erkennen. Ich war vor allem mit einem anderen Problem beschäftigt: Da das Projekt nicht genug abwarf, suchte ich mit allen möglichen Methoden nach neuen Ideen und startete viele weitere Projekte, um CHI-NESISCH nicht dichtmachen zu müssen.
Dabei kam jedoch ein überraschendes Ergebnis heraus: Nach einigen Projekten hatte ich keine existenziellen Geldsorgen mehr. Damit befand ich mich in einer absurden, aber absolut realen Situation.
Die Ironie: Das einzige Projekt, das ich wollte, war das, was kaum Geld brachte
Nach dem Motto „Trial and Error“ müsste ich meinen Chinesisch-Kurs als Erstes schließen, doch ich bringe es einfach nicht übers Herz. Im Gegenteil, der Kurs hat mir immer wieder Motivation gegeben, etwas anderes zu machen, damit die Seite weiterleben konnte.
Auf der anderen Seite hatte ich mehrere Projekte, von denen ich gut leben konnte, doch ich verlor immer wieder das Interesse an ihnen und sah sie nur noch als Mittel zum Zweck. Einige haben die Methoden bestanden, aber ich konnte mich nicht dauerhaft dazu zwingen, weiterzumachen.
Ich konnte nicht erklären, warum. Daher finde ich das Wort „Maze“ – Labyrinth – wirklich zutreffend, weil ich mich lange darin verloren gefühlt habe.
Die Erfahrung war nicht linear, daher kann man auch heute nicht einfach sagen: „Ich habe mit den Methoden 123 die erste Idee und mit 456 die zweite.” Aber das Ergebnis war:
Zum ersten Mal in meinem Leben verstehe ich, dass ich keinen Job brauche, um mein Leben zu finanzieren.
Das ist ein absoluter Wendepunkt in meinem Leben. Viele Gründer versuchen es ein- oder zweimal und kehren dann ins Angestelltenleben zurück. Für viele ist Unternehmertum nur ein Traum – ein Traum von Freiheit und Reichtum. Wenn der Traum geplatzt ist, kehrt man in den Alltag zurück, in das sogenannte „echte“ Leben.
Zum Glück musste ich das nicht. Endlich konnte ich mir diese Freiheit gönnen.

Im Folgenden zeige ich dir vermutlich die umfassendste Sammlung von allen Methoden, die es aktuell gibt, um Geschäftsideen zu finden. Das weiß ich ganz sicher, weil ich sie ALLE ausprobiert habe.
Ich fasse sie in 3 Gruppen zusammen. Sie sind: Geschäftsideen generieren, validieren und beschreiben. Ich habe sie aufgelistet, die Methoden zusammengefasst, mit meiner persönlichen Fazit:
Gruppe 1: Ideen generieren
1. Brainstorming
Die Methode: Du sammelst so viele Ideen wie möglich, ohne sie zu bewerten (“Quantität vor Qualität”).
Mein Urteil: Es fühlt sich produktiv an (“Ich habe 100 Ideen!”), ist aber oft nur eine Versteckstrategie vor der einen Entscheidung, die wirklich zählt.

👉 [Zum Artikel: Brainstorm: Die Flucht in die Menge: Warum 100 Ideen weniger wert sind als eine Entscheidung. ->]
2. Mindmapping
Die Methode: Du strukturierst deine Gedanken visuell, um neue logische Verknüpfungen zu finden.
Mein Urteil: Du ordnest nur das Wissen, das du schon hast. Du erschaffst nichts Neues, sondern baust dir ein logisches Gefängnis aus deiner eigenen Vergangenheit.

👉 [Zum Artikel: Mindmap: Warum Struktur noch keine Innovation ist ->]
3. Schmerzanalyse
Die Methode: Du suchst nach Frustrationen und Problemen im Alltag, um dafür eine Lösung zu verkaufen.
Mein Urteil: Diese Methode ist eine der besten, aber sie ist unstrukturiert und führt nur punktuell weiter. Strategisch bringt sie dich nicht weiter.

👉 [Zum Artikel: Schmerzanalyse: Die Grenzen des “Problemlöser”-Modells ->]
4. SWOT-Analyse
Die Methode: Der Klassiker aus der Beratung, um Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken in vier Feldern zu bewerten. Die Mein Urteil: Sie trainiert dich darauf, deine Schwächen zu “reparieren” und Risiken zu meiden. Doch im Solopreneurship sind deine Ecken und Kanten oft genau dein Kapital.

👉 [Zum Artikel: SWOT Analyse: Warum deine Schwächen keine Fehler im System sind ->]
5. Marktlücke Analyse
Die Methode: Du scannst den Markt nach unbesetzten Nischen, die von Wettbewerbern übersehen wurden.
Mein Urteil: Wer Lücken sucht, definiert sich über andere (“Was macht Amazon nicht?”). Wahre Sicherheit liegt nicht in einer Marktlücke, sondern in einer Identitätslücke.

👉 [Zum Artikel: Marktlücke Analyse: Die Illusion der “Lücke”->]
6. Keyword-Analyse
Die Methode: Du nutzt Suchdaten (SEO), um herauszufinden, wofür es bereits eine hohe Nachfrage gibt.
Mein Urteil: Die Daten sind punktuell und hängen oft vom Zusammenhang ab. Darum führt Google den Begriff „Semantik” ein, der immer wichtiger wird. Punktuelle Keywords können zu völlig falschen Schlussfolgerungen führen.

👉 [Zum Artikel: Keyword Analyse: Warum sie gefährlich ist (und wie man es richtig macht)->]
Die zweite Gruppe geht nicht mehr vom „Kreieren” aus, sondern funktioniert wie ein Filter. Sie filtert Ideen heraus, die nicht funktionieren.
Gruppe 2: Ideen validieren
7. Design Thinking
Die Methode: Ein iterativer Prozess (Verstehen, Testen, Lernen), der den Nutzer radikal in den Mittelpunkt stellt, um echte Probleme statt nur Annahmen zu lösen.
Mein Urteil: Es ist ein perfekter Prozess, aber kein Kompass. Die Methode sagt dir exzellent, wie du arbeiten sollst, aber nicht, wo du anfangen sollst – man kann auch sehr effizient in die falsche Richtung laufen.

👉 [Zum Artikel: Warum Design Thinking dir nicht sagt, wo du starten sollst ->]
8. Jobs to be Done
Die Methode: Der Ansatz, dass Kunden keine Produkte kaufen, sondern sie “einstellen”, um eine bestimmte funktionale oder emotionale Aufgabe zu erledigen.
Mein Urteil: Die Theorie ist brillant, aber für den Start oft eine Sackgasse. Um den wahren “Job” zu erkennen, musst du den Kunden bereits tief kennen – ein Henne-Ei-Problem, wenn du noch gar keine Idee hast.

👉 [Zum Artikel: Jobs to be Done: Funktioniert es nur, wenn man schon Kunden hat? ->]
9. The Mom Test
Die Methode: Ein Leitfaden für Kundengespräche, der lehrt, wie man Fragen so stellt, dass selbst die eigene Mutter einen nicht aus Höflichkeit anlügen kann.
Mein Urteil: Du lernst, perfekte Fragen zu stellen, aber nicht, wem du sie stellen sollst. Wenn du das falsche Problem bei der falschen Zielgruppe validierst, nützt dir auch die beste Gesprächstechnik nichts.

👉 [Zum Artikel: The Mom Test: Funktioniert es heute noch? ->]
10. Lean Startup
Die Methode: Das Prinzip “Build-Measure-Learn”, bei dem man schnellstmöglich ein minimales Produkt (MVP) baut, um Hypothesen am echten Markt zu testen.
Mein Urteil: Es sollte eigentlich “Lean Corporate” heißen. Die Methode setzt eine fertige Hypothese und Zugang zu Kunden voraus – sie hilft Investoren beim Aussortieren, aber nicht dir beim Finden der Idee.

👉 [Zum Artikel: Lean Startup: Der wohl am häufigsten missinterpretierte Begriff aller Zeiten. ->]
Nun geht es um ein paar Methoden, die nicht unbedingt wie “Brainstorming” oder “Marktlücke Analyse” die ersten Ideen bringen. Sie dienen an erster Linie dazu, Ideen zu beschreiben, um dabei die Ideen in verschiedenen Geschäftsaspekte weiterzuentwickeln. Sie geben dir Rahmen, Felder, Fragen, um deine Idee besser zu verstehen.
Gruppe 3: Ideen beschreiben
11. Business Model Canvas
Die Methode: Ein visuelles Template mit neun Bausteinen (Kunden, Wertangebot, Kanäle etc.), das dein gesamtes Geschäftsmodell auf einer einzigen Seite abbilden soll.
Mein Urteil: Es gibt dir das Gefühl von Vollständigkeit, aber es ist trügerisch. Du füllst Felder aus (“Kundensegment: Junge Leute”), aber meist basieren diese Einträge auf reinen Annahmen, nicht auf Fakten. Du erhältst eine Landkarte deiner Fantasie, nicht der Realität.

👉 [Zum Artikel: Business Model Canvas: Einmal lesen, alles verstehen! ->]
12. Lean Canvas
Die Methode: Eine für Startups angepasste Version des Business Model Canvas. Fokus auf “Problem”, “Lösung” und “Unfairem Vorteil” statt auf Partnern und Ressourcen.
Mein Urteil: Es zwingt dich, konkreter zu werden (“Welches Problem löst du wirklich?”), aber es löst nicht das Grundproblem: Du kannst es immer noch mit Wunschdenken füllen. Besonders das Feld “Unfairer Vorteil” ist oft eine Lüge an dich selbst.

👉 [Zum Artikel: Lean Canvas: Ist es wirklich besser? Ein Bericht->]
13. Value Proposition Canvas
Die Methode: Ein Zoom-In auf zwei Elemente: Was will der Kunde (Pains & Gains) und wie liefert dein Produkt das (Pain Relievers & Gain Creators)? Ziel ist der perfekte “Fit”.
Mein Urteil: Ein hervorragendes Tool – wenn du echte Daten hast. Wenn du es aber (wie die meisten) allein an deinem Schreibtisch ausfüllst, erfindest du Probleme für deine Kunden, nur damit deine Lösung passt.

👉 [Zum Artikel: Value Proposition Canvas: Was versprichst du (wirklich), wenn du versprichst? ->]
14. Alleinstellungsmerkmal
Die Methode: Der Versuch, in einem Satz zu definieren, was dich einzigartig macht und warum Kunden bei dir kaufen sollten statt bei der Konkurrenz.
Mein Urteil: Du versuchst, dich durch Features oder Qualität zu unterscheiden (“Wir haben besseren Tee”). Aber Kunden kaufen Identität und Lösungen. Deinen wahren USP findest du nicht durch Nachdenken, sondern erst durch Handeln.

👉 [Zum Artikel: Alleinstellungsmerkmal: Was machst du, wenn du gar keins hast? ->]
15. Elevator Pitch
Die Methode: Die Idee, dein gesamtes Business in 60 Sekunden (einer Fahrstuhlfahrt) so zu erklären, dass ein Investor sofort anbeißt.
Mein Urteil: Ein Pitch ist eine Performance, die oft zur Vereinfachung zwingt. Du reduzierst dein komplexes Business auf eine Formel. Aber Menschen kaufen keine Formeln, sie kaufen Geschichten und “Warum”-Faktoren, die Zeit brauchen.

👉 [Zum Artikel: Warum niemand deinen Elevator Pitch hören will ->]
Die Zusammenfassung
Wenn ich auf all diese Methoden zurückblicke – auf die 15 verschiedenen Ansätze, die ich dir in diesem Kapitel gezeigt habe – dann erkenne ich heute ein Muster, das mir damals vollkommen verborgen blieb.
Typ 1 (Geschäftsidee entwickeln) fragt: “Was kann ich aus meinem Kopf heraus erschaffen?” Typ 2 (Geschäftsidee testen) fragt: “Was bestätigt der Markt?” Typ 3 (Geschäftsidee beschreiben) fragt: “Wie kann ich es so formulieren, dass es überzeugend klingt?”
Aber keine dieser Methoden stellt die fundamentalste aller Fragen: “Warum mache ich das überhaupt?”

Der Kern all dieser Methoden ist die externe Validierung, also die Bestätigung von außen. Sie fragen: „Was will der Markt?” „Was sagen die Daten?” „Was zahlt der Kunde?” Das sind wichtige Fragen, keine Frage. Aber es sind Fragen der Validierung, nicht der Findung. All diese Methoden zielen auf eines ab: Geld. Sie alle zielen darauf ab, herauszufinden, womit sich Geld verdienen lässt. Und das ist auch der einzige Maßstab, an dem sie messen, ob eine Idee grundsätzlich funktioniert.
Wenn das dir klar geworden ist, gehst du in Phase 4: Endlich erkennen, dass Du echte, intrinsische Motivation brauchst.
Phase 4: Die Suche nach der Motivation
Während der dritten Phase habe ich viele Projekte gestartet, mit den meisten davon konnte ich Geld verdienen. Doch das Einzige, was mich wirklich berührte, mein Online-Chinesisch-Kurs, brachte am wenigsten Geld ein.
Natürlich hätte ich den Online-Kurs auch umgestalten können – ich hätte ihn beispielsweise als “Lead Magnet” verkaufen und meine Stunden als Chinesischlehrerin selbst anbieten können. Aber darum ging es bei der Gründung nicht – es ging vielmehr um die Weiterentwicklung des Kurses, um das Design, die Abläufe und die Materialien, und nicht darum, dass ich „Kunden“ finde, die mich pro Stunde bezahlen, damit ich überleben kann.

Stattdessen habe ich angefangen, mich nach anderen Ansätzen umzuschauen. Offensichtlich reicht es nicht aus, dass die Idee dem Markt gefällt. Sie muss mich auch dauerhaft motivieren können. In diesem Prozess lernte ich ein Wort kennen: die intrinsische Motivation.
Mein neuer Anfang: Die intrinsischen Motivation
Während ich mehrere Projekte am Laufen hatte, gab es Höhen und Tiefen. Es gab auch Momente, in denen es einfacher gewesen wäre, wenn jemand meine Sozial- und Krankenversicherung übernommen hätte und ich mich lediglich darum kümmern müsste, meinen „Job“ gut zu machen.
Ich erinnere mich an einen Kunden, der mich unbedingt in seine Firma holen wollte und mir attraktive Angebote machte. Meine Antwort darauf war so gut formuliert, dass sie mir später wie ein Leuchtturm diente, der mir immer die Richtung wies, wenn ich mich verloren fühlte.
“Ich habe zu lange im Zoo gelebt. Dann habe ich ihn verlassen und bin in die Wildnis gegangen. Der Weg war nicht einfach, aber ich habe überlebt und die Wildnis zu meinem Zuhause gemacht. In dem Moment, in dem die ganze Welt mein Zuhause ist, kann ich nicht mehr in den Käfig des Zoos zurückkehren.“
Diese Phasen verlaufen nicht linear, so wie man sie im Rückblick aufschreiben kann. Wenn ich heute zurückschaue, erkenne ich jedoch eine klare Entwicklungsrichtung. Genau hier liegt der entscheidende Übergang von Phase 3 zu Phase 4.
Gründung ist mehr als nur ein „eigener Job“.
Das ist vielleicht ein klassisches Beispiel für Maslows Bedürfnishierarchie: Sind die Grundbedürfnisse nach Essen und Sicherheit gedeckt, entstehen neue Wünsche. Wenn du gerade noch in der Ideenfindungsphase bist, denkst du vielleicht: „Was für ein Luxusproblem! Darum kümmere ich mich, wenn ich mit meiner Gründung genug Geld verdient habe.”
Doch die Wahrheit sieht ganz anders aus. Anfangs glaubst du, Geld wäre das Haupt- und einzige Ziel. Aber sobald du ausreichend mit deinem Business verdienst, hast du ein anderes Problem: Was, wenn dir das, was du jetzt tust, nicht mehr gefällt? Hast du dann durch die Gründung deine Lage wirklich geändert im Vergleich zu deiner alten Angestelltentätigkeit?
Stelle dir vor, dir gefällt deine Arbeit nicht, aber du musst dein Geschäft am Laufen halten, weil du auf diesen „Job“ angewiesen bist. Du kannst nicht einfach alles liegen lassen und etwas Neues ausprobieren. Du kannst dich nicht einmal kündigen lassen und Arbeitslosengeld bekommen. Was machst du dann?
Die meisten entscheiden sich, die Zähne zusammenzubeißen und bis zur Rente durchzuziehen. Im besten Fall hältst du tatsächlich bis dahin durch. Im schlimmsten Fall machst du weiter, wirst innerlich immer leerer und verlierst deine besten Lebensjahre. Körperlich kannst du mit Jüngeren nicht mehr mithalten und mental befindest du dich in einer Routine aus Abneigung. Die Begeisterung für die Kunden ist weg, ebenso der Glaube an das eigene Fach.
Was ist in diesem Fall schlimmer – das oder ein ziemlich guter und sicherer Job?
Würdest du dich fragen: „Warum habe ich mich eigentlich selbstständig gemacht?”
Geld ist nicht das einzige Ziel – du als Mensch zählst auch!
Das ist die verdichtete Erfahrung all meiner Projekte aus diesen Jahren. Während dieser Zeit begann ich zu verstehen, dass alle Methoden der dritten Phase im Kern nur einem Zweck dienen: Geld zu finden. Deine Hoffnung war nicht, eine „Idee zu finden”, sondern „Geld zu finden”. Aber das Leben besteht nicht nur aus Geld. Das ist keine Floskel, sondern Realität. Natürlich ist Geld wichtig, denn es ermöglicht uns viele Dinge, die wir wollen. Aber Geld ist nicht das Ziel, dem wir unser Leben unterordnen.
Für mich ist das der entscheidende Übergang von Phase 3 zu Phase 4: Ich erkannte langsam, dass mein Inneres, dass ich als Mensch – nicht als Werkzeug – eine zentrale Rolle bei der Ideenfindung spielen muss. Ich darf mich nicht ausschließlich als Geldmaschine betrachten. Stattdessen stellte ich mir eine neue Frage: Welche Methoden helfen mir, Ideen zu finden, mit denen ich Geld verdienen kann und die gleichzeitig zu mir als Person passen?
Von hier aus probierte ich erneut fast alle relevanten Ansätze auf dem Markt aus. Sie alle teilen denselben Kernbegriff:
Mental Models for Decision Making / Career Frameworks.
Modelle der Sinnfindung
Nachdem mir klar geworden war, dass alle bisherigen Methoden im Kern nur einem Zweck dienten – Geld zu finden –, begann ich, nach Ansätzen zu suchen, die mehr versprachen. Ich wollte Methoden, die nicht nur die Frage „Was bringt Geld?” stellen, sondern auch die Frage „Was passt zu mir?” „Was erfüllt mich?” „Was kann ich langfristig durchhalten?”
Und tatsächlich gibt es eine ganze Kategorie von Frameworks, die genau das versprechen. Sie stammen aus unterschiedlichen Traditionen: aus alten Philosophien, aus der Unternehmensberatung oder der Persönlichkeitsentwicklung. Aber sie alle haben denselben Anspruch: Sie wollen dir dabei helfen, nicht irgendeine Geschäftsidee zu finden, sondern die, die zu dir passt.
Im Folgenden stelle ich dir die fünf gängigsten Modelle vor. Sie unterscheiden sich von den Methoden aus Phase 3: Diese Ansätze betrachten nicht nur die Idee und den Markt als Mittelpunkt, sondern stellen den Menschen, dich, in die Mitte.
Zunächst stelle ich dir die typischen Methoden von denen vor, die eine Ähnlichkeit teilen. Sie sind eine Schnittmenge einer Sammlung. Das Spiel lautet: Finde die Überschneidung. Die Ikigai- und die Igel-Methoden sind Beispiele dafür.
16. Ikigai
Die Methode: Die Suche nach der perfekten Schnittmenge aus Leidenschaft, Talent, Marktnachfrage und Mission.
Mein Urteil: Es ist ein “Kompromiss-Finder”. Wer die sichere Mitte sucht, schleift seine Ecken ab – aber Gründung braucht Kanten, keine Kompromisse.

👉 [Zum Artikel: Ikigai: Eine Illusion, die dich Jahre kosten kann. Meine Geschichte ->]
17. Das Igel-Prinzip
Die Methode: Die Strategie, sich radikal auf das Eine zu fokussieren, worin man der Beste der Welt sein kann.
Mein Urteil: Ein Tool für Konzerne. Als Solostarter macht es dich zum Werkzeug: Du suchst nach ökonomischer Effizienz statt nach deiner eigenen Wahrheit.

👉 [Zum Artikel: Warum du kein Igel sein musst, um erfolgreich zu sein ->]
18. What How Why (Der Goldene Kreis)
Die Methode: Der Ansatz, nicht beim “Was” (Produkt) zu beginnen, sondern beim “Warum” (Glaube und Zweck).
Mein Urteil: Es klärt deine Motivation, aber liefert keine Geschäftsidee. Das “Warum” zahlt keine Miete, solange das “Was” fehlt.

👉 [Zum Artikel: Warum das “Warum” allein noch keine Strategie ist ->]
19. Zone of Genius
Die Methode: Die Unterscheidung zwischen Dingen, die du gut kannst (Excellence), und Dingen, die nur du tun kannst (Genius).
Mein Urteil: Brillant zur Diagnose, aber schwer zu planen. Deine “Zone of Genius” entdeckst du oft erst, nachdem du jahrelang Fehler gemacht hast.

👉 [Zum Artikel: Wie du den Unterschied zwischen Kompetenz und Genialität erkennst ->]
20. Effectuation (Das “Bird-in-Hand”-Prinzip)
Die Methode: Statt Ziele zu setzen, startest du mit deinen vorhandenen Mitteln: Wer bin ich? Was weiß ich? Wen kenne ich?
Mein Urteil: Das ist keine Methode zur Ideensuche, sondern ein Mindset für den Start. Es hilft dir loszulegen, sagt dir aber nicht, wohin.

👉 [Zum Artikel: Effectuation: Warum du keinen Plan brauchst, um zu starten ->]
Die Übergang zur Selbstsuche
Wenn ich auf all diese Methoden zurückblicke – Ikigai, das Igel-Konzept, Start with Why, die Zone of Genius, Effectuation – kann ich eine Gemeinsamkeit finden (The Common Flaw)
All diese Modelle sind zwar besser als die aus Phase 3. Sie fragen nicht nur: “Womit kannst du Geld verdienen?” Sie fragen auch: “Was passt zu dir?” “Was erfüllt dich?” “Wer bist du?”
Aber sie haben alle eine gemeinsame Schwäche: Sie setzen voraus, dass du dich selbst bereits kennst.
Die Idee hinter all diesen Methoden ist das Gleiche: Es gibt bereits eine fertige Idee, und du musst sie nur FINDEN. Es ist DIE GESCHÄFTSIDEE, DIE DU FINDEN WILLST.
Aber was ist, wenn die Idee noch selbst entstehen muss? Was, wenn es andersherum läuft? Du findest diese Idee nicht. Du wirst zu der Person, aus der diese Idee natürlich hervortritt.

Das ist kein esoterisches Konzept. Es ist eine praktische Realität. Wenn du nicht weißt, wer du bist, wirst du immer nur auf externe Signale reagieren: auf Trends, Methoden und Ratschläge anderer Menschen. Und du wirst ein Geschäft aufbauen, das sich fremd anfühlt.
Wenn du jedoch beginnst, dich selbst zu verstehen – wer du bist und was du willst –, dann beginnt die Idee, aus dir herauszuwachsen. Irgendwann, wenn du dich selbst gefunden hast, merkst du, dass die Idee bereits in dir steckt. Dann musst du sie nur noch zulassen.
Phase 5: Soul-Business Fit (The Revelation) – Deine Identität als “Nische“
Ich möchte dir nun von einer anderen Gründung erzählen, die mit Methoden aus Phase 4 entstanden ist.
Es war nicht meine dritte Gründung. Aber diese Idee hat sich tiefer in meine Unternehmerbiografie eingebrannt als viele andere davor. In gewisser Weise war es genau dieser Versuch, der mir erstmals erlaubt hat, die falschen Erfahrungen und irreführenden Lehren der Jahre zuvor klar zu erkennen. Erst dadurch habe ich verstanden, was ich tatsächlich brauche – und in welche Richtung ich gehen muss, um eine Geschäftsidee zu finden, die wirklich zu mir passt.
Der innere Widerspruch
Der innere Widerspruch war offensichtlich.
Ich hatte ein Projekt, das kaum Geld einbrachte, mir aber geistig enormen Halt gab. Es war der Grund, warum ich nicht wieder einen neuen Job suchte und stattdessen an meinen eigenen Projekten festhielt. Gleichzeitig reichte das Einkommen nicht aus. Also nahm ich weitere Aufträge an. Diese waren finanziell solide, aber ich konnte sie nicht langfristig durchhalten. Im Kern unterschieden sie sich kaum von einer Festanstellung – zumindest nicht in dem, was sie mit mir machten. Im Vergleich zu meinem Chinesisch-Kurs fehlte ihnen jede innere Notwendigkeit.

Man könnte sagen: Ich hatte eine Identitätskrise.
Zeitweise fragte ich mich sogar, ob das nicht einfach eine Spielart der Midlife-Crisis war.
Verstanden habe ich das alles allerdings erst nach einer weiteren Gründung.
Rückblickend war es meine letzte Gründung aus purem Überlebenswillen. Dieses Projekt lieferte mir das letzte Puzzlestück meiner unternehmerischen Laufbahn. Erst danach wurde mir klar, wo der eigentliche Fehler lag.
Meine vorletzte Gründung: SEO Agentur
Damals arbeitete ich mit der Ikigai-Methode. Die Motivation war simpel. Ich hielt – und halte – sie für den naheliegendsten Ansatz für Menschen, die beruflich ausgebrannt sind oder sich in einer Lebensphase der Neuorientierung befinden. Die ausführliche Geschichte habe ich in dieser Artikel beschrieben:Ikigai: Eine Illusion, die dich Jahre kosten kann. Meine Geschichte beschrieben. Hier die Kurzfassung:
Ich suchte die Schnittmenge aus dem, was ich liebe, was ich gut kann, wofür andere bereit sind zu zahlen, und dem, was die Welt braucht.

Eigentlich eine gute Idee, oder?
Meine Überlegung war folgende:
In Deutschland arbeiten kleine und sehr kleine Unternehmen faktisch für Plattformen. Ein Großteil ihrer Ausgaben fließt in Google-Suchanzeigen, nur um sichtbar zu bleiben. Ich dachte: Wenn ich ihnen helfen könnte, über organische Suchergebnisse Kunden zu gewinnen, würde ich genau denen helfen, die diese Unterstützung am dringendsten brauchen. Es schien mir sinnvoll. Wer dauerhaft Geld in Werbung investiert, wirft es in ein bodenloses Loch. Gegen kapitalstarke Konzerne und Ketten kann niemand auf diesem Weg gewinnen.
Suchmaschinen, Inhalte und Videos funktionieren anders.
Ihr primärer Preis ist nicht Geld, sondern Zeit und Kompetenz. Wenn diese Arbeit gut gemacht wird, kann selbst ein sehr kleines Unternehmen im digitalen Raum sichtbar sein – dauerhaft.
Diesen Gedanken solltest du nicht vergessen. Er ist ein Schlüssel. Vielleicht der wichtigste auf dem Weg in die Selbstständigkeit.

Zugleich war das genau das, was ich liebte und beherrschte.
Google-Suche und Marketing haben in meiner gesamten Gründungsgeschichte eine zentrale Rolle gespielt. Ohne Google hätte mein Chinesischunterricht zu Beginn keine einzige Kundin, keinen einzigen Kunden gefunden. Ich wollte also meine Fähigkeiten einsetzen, um kleine Unternehmer zu unterstützen – in gewisser Weise sogar, um ihnen zu helfen, sich gegen ihre Wettbewerber zu behaupten und ihr Geld gezielt einzusetzen.
Statt mühsam verdientes Kapital in den Anzeigenwettbewerb zu stecken – wo der Kundenstrom sofort versiegt, sobald man nicht mehr zahlt –, erschien mir der Aufbau organischer Sichtbarkeit als langfristige Lösung. Ob über Google Maps, Inhalte oder Videos: Wer hier investiert, bleibt auffindbar. Nicht nur als Anzeige, sondern als Suchergebnis. Nicht nur auf einer Seite, sondern in Karten, Bildern und Videos.
Ich war überzeugt, den perfekten Fit gefunden zu haben. Die Realität war ernüchternder als erwartet.
Das Problem war tiefergehend als gedacht.

Finanziell gab es keinen Grund zur Sorge. Der Bedarf war real und nahezu universell. Doch ich hatte etwas Entscheidendes übersehen. Suchergebnisse bewegen sich zwangsläufig immer näher an die Marke selbst heran. Wenn jemand nach Innenausbau sucht, klingen alle Anbieter gleich. Überzeugen können nicht Agenturen, sondern diejenigen, die selbst sichtbar sind: Menschen, die vor der Kamera stehen, ihre Fälle erklären, ihre Erfahrungen teilen, ihre Geschichte erzählen.
Das bedeutete: Der Service, den ich anbieten wollte, war ein auslaufendes Produkt.
Ich kenne dieses Muster aus dem Verlagswesen. Als Printmedien bereits wankten, aber noch existierten, investierten zahlreiche Start-ups in deren „Digitalisierung“. Magazine wurden zu E-Magazinen, Inhalte zu Apps. In Wahrheit tauschte man Papier gegen Bildschirme. Mehr nicht.
Solche Produkte konnten nicht funktionieren, weil sie das Wesen der Digitalisierung nicht verstanden hatten. Es ging nie darum, Bücher elektronisch darzustellen, sondern um einen vollständigen Wechsel der Denkweise und der Informationslogik.

Für Google-Suche und Marketing gilt dasselbe.
Die Nachfrage ist groß. Aber sie entsteht aus Angst. Kleine Unternehmer begreifen, wie brutal der Wettbewerb geworden ist, und beginnen zu zahlen – ohne das Spiel zu verstehen. Sie glauben, Geld an eine Agentur zu überweisen, reiche aus, um Kunden zu gewinnen.
Was sie nicht sehen:
Es ist ein gnadenloser Selektionsprozess. Überleben wird nicht, wer die beste Agentur beauftragt, sondern wer als Unternehmer selbst zur Marke wird. Wer bereit ist, sichtbar zu sein, Haltung zu zeigen, Menschen zu berühren – und Suchende nicht zu bedienen, sondern zu erreichen.
Das Erwachen

Zum ersten Mal betrachtete ich das Problem von seinem Ursprung aus. Nicht mehr durch vereinfachte Marktthesen wie: “In Deutschland lässt sich kein Tee verkaufen.” oder “Mit Chinesisch-Kurs verdient man nicht viel.”
Hier begann meine eigentliche innere Verschiebung. Ich nannte sie später: Identity first.
An diesem Punkt führte ich einen neuen Begriff ein. Nicht Market-Product-Fit, sondern Soul-Business-Fit. Erst rückblickend verstand ich, dass ich damit die Phase 5 betreten hatte – die letzte Phase: Ab hier endete die Suche. Nicht, weil ich eine Idee gefunden hatte. Sondern weil ich aufgehört hatte, außerhalb meiner selbst zu suchen.
Als Unternehmerin muss ich mich selbst erkennen. Ich muss mich selbst kennen. Und ich muss mich selbst verstehen. Nur so kann ich mir erlauben, ich selbst zu sein.
Und wo bleibt die Geschäftsidee? Sie entsteht aus dir, während du das tust.

Ich-Du vs. Ich-Es
In diesem Prozess entwickelte ich zwei Begriffe weiter, die mein Denken bis heute strukturieren: Ich–Du und Ich–Es. Auf dem Markt existieren – so meine Beobachtung – nur zwei Arten von Anbietern. Die einen operieren im Modus Ich–Du. Die anderen im Modus Ich–Es.
Wenn dir der Begriff unbekannt ist, kannst du bei meinem Beitrag “Ich und Du vs. Ich und Es” genauer lesen.

Mit „Ich-Du“ lebt man in einer Welt der Begegnung. Wer mit „Ich-Du“ ein Geschäft führt, findet Kunden, die „Ich-Du“ suchen.
Mit „Ich-Es“ lebt man in einer Welt der Funktion. Wer mit „Ich-Es“ ein Geschäft führt, findet ebenfalls Kunden, die „Ich-Es“ suchen.
Deshalb können Menschen, die „Ich-Du“ anbieten, niemals mit „Ich-Es“-Anbietern konkurrieren. Denn wenn es darum geht, Vorteile und Funktionen zu vergleichen, gewinnt am Ende immer der größte „Ich-Es“-Anbieter. Das sind Unternehmen, die über die meisten Ressourcen verfügen, um Kosten zu minimieren und Effizienz zu maximieren.
Mir wurde klar, dass ich kleinen Unternehmen nicht länger helfen wollte, ihre Produkte besser zu vermarkten. Nicht aus Überheblichkeit, sondern aus Konsistenz. Meine Erfahrung hatte mir gezeigt, dass viele von ihnen ihre Arbeit selbst als Ich–Es verstehen. Während ich versuchte, etwas anzubieten, das im Modus Ich–Du gedacht war.
Das Super-Individuum als Lösung und natürliches Ergebnis

Damit war die Geburtsstunde meines Kurses gekommen: Das Super-Individuum. In Phase 5 lernst du dich als Mensch kennen. Während dieser Reise erkennst du, was in dir ruft. Aus dieser Quelle findest du Menschen, Ressourcen und Werkzeuge, die dich auf deinem Weg begleiten, dir helfen und dich formen.
Wenn du Interesse hast, diese Reise mit mir zu gehen, lade ich dich in meine „Ich-Du“-Welt ein. Mache diesen Selbsttest und finde heraus, ob deine Welt aus „Ich-Du“ oder „Ich-Es“ besteht.
Das ist auch die Basis, nach der sich ein „Super-Individuum“ grundsätzlich richten muss. Was das ist und wie es funktioniert, erfährst du in meinem Artikel. Das Super-Individuum: Wie eins zum Imperium wird.
