Der Business Model Canvas ist das wohl bekannteste Werkzeug dieser Kategorie. Entwickelt von Alexander Osterwalder, besteht er aus neun Bausteinen: Kundensegmente, Wertangebot, Kanäle, Kundenbeziehungen, Einnahmequellen, Schlüsselressourcen, Schlüsselaktivitäten, Schlüsselpartnerschaften und Kostenstruktur.
Das Ganze passt auf eine einzige DIN-A3-Seite. Du druckst das Template aus, nimmst Post-its und klebst deine Gedanken in die entsprechenden Felder. Es fühlt sich produktiv an. Strukturiert. Professionell. Du siehst auf einen Blick, wie alle Teile deines Geschäftsmodells zusammenhängen.
Ich habe den Canvas unzählige Male ausgefüllt – für verschiedene Geschäftsideen, zu verschiedenen Zeitpunkten. Jedes Mal dachte ich: “Jetzt wird es klar.” Und jedes Mal hatte ich am Ende eine vollgeklebte Seite, die irgendwie logisch aussah. Aber war sie das wirklich?
Mein Problem mit dem Business Model Canvas: Er zwingt dich, Antworten zu geben, auch wenn du sie noch nicht hast. Wer sind deine Kundensegmente? Na ja, schreibst du halt irgendetwas hin. “Junge Erwachsene 25-35, die sich für gesunde Ernährung interessieren.” Klingt gut. Ist aber oft nur eine Vermutung.
Der Canvas gibt dir das Gefühl von Vollständigkeit – alle neun Felder sind ausgefüllt! – aber diese Vollständigkeit ist trügerisch. Denn die meisten dieser Felder basieren auf Annahmen, nicht auf Fakten. Du malst dir aus, wie dein Geschäftsmodell aussehen könnte. Aber du weißt nicht, ob es tatsächlich funktioniert.
Und dann gibt es noch ein zweites Problem: Der Canvas ist statisch. Er zeigt eine Momentaufnahme. Aber ein Geschäftsmodell lebt, es entwickelt sich. Was heute richtig ist, kann morgen schon überholt sein. Der Canvas suggeriert Stabilität, wo in Wirklichkeit ständige Bewegung herrscht.
Trotzdem: Der Business Model Canvas ist nützlich – aber nicht als Werkzeug, um eine Geschäftsidee zu finden oder zu entwickeln. Sondern als Werkzeug, um nachträglich zu verstehen, was du eigentlich gebaut hast. Wenn dein Geschäft schon läuft, hilft dir der Canvas, es systematisch zu reflektieren. Aber am Anfang? Da produziert er vor allem schöne Illusionen.
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