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Warum niemand deinen Elevator Pitch hören will

Der Elevator Pitch ist die komprimierteste Form der Beschreibung: Du hast 30 bis 60 Sekunden Zeit – die Dauer einer Fahrstuhlfahrt – um jemandem zu erklären, was du tust. Kurz, prägnant, überzeugend. Die Idee stammt aus der Welt der Investoren: Wenn du zufällig im Aufzug neben einem Investor stehst, musst du in der Lage sein, dein Geschäft so zu pitchen, dass er dir seine Visitenkarte gibt.

Die klassische Struktur eines Elevator Pitch ist ungefähr so:

“Für [Zielgruppe], die [Problem] haben, bieten wir [Lösung]. Im Gegensatz zu [Konkurrenz] ist unser Ansatz [Unterschied].”

Klingt logisch. Klingt einfach. Und doch: Ich habe Wochen damit verbracht, meinen Elevator Pitch zu formulieren. Immer wieder habe ich ihn umgeschrieben, gekürzt, präzisiert. Ich habe vor dem Spiegel geübt. Ich habe ihn Freunden vorgetragen. Ich habe versucht, ihn so zu formulieren, dass er “catchy” klingt, aber nicht übertrieben. Überzeugend, aber nicht arrogant.

Das Ergebnis? Ein Pitch, der sich gut anhörte – aber meistens ins Leere lief.

Denn hier ist das Problem: Ein Elevator Pitch ist eine Performance. Du versuchst, in 60 Sekunden zu überzeugen. Aber echte Überzeugung braucht Zeit. Sie braucht Vertrauen. Sie braucht Kontext. Niemand hört deinen Pitch und sagt sofort: “Wow, nimm mein Geld!” Das passiert in Filmen, nicht in der Realität.

Noch schlimmer: Der Elevator Pitch verleitet dich dazu, zu vereinfachen. Du reduzierst dein Geschäft auf eine Formel. Aber ein Geschäft ist keine Formel. Es ist komplex, lebendig, voller Nuancen. Und wenn du versuchst, es in 60 Sekunden zu pressen, schneidest du all das ab, was es eigentlich interessant macht.

Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem potenziellen Kunden. Ich hatte meinen perfekten Pitch vorbereitet. Ich fing an zu sprechen – und sah, wie seine Augen glasig wurden. Er nickte höflich. Aber er war nicht wirklich interessiert.

Dann, als ich fertig war, stellte er eine einfache Frage: “Warum machst du das eigentlich?” Und plötzlich erzählte ich ihm eine Geschichte. Keine Formel, keine Struktur. Nur: warum ich angefangen hatte, was mich daran faszinierte, was ich gelernt hatte. Und auf einmal hörte er zu. Wirklich zu.

Das war der Moment, in dem ich verstand: Menschen interessieren sich nicht für deinen Pitch. Sie interessieren sich für deine Geschichte. Für deine Motivation. Für das, was echt ist.

Mein Fazit: Ein Elevator Pitch ist nützlich – aber nicht als Verkaufswerkzeug. Sondern als Denkwerkzeug. Der Versuch, deine Idee in 60 Sekunden zu erklären, zwingt dich, klar zu werden. Aber verwechsle das nicht mit Kommunikation. Wenn du wirklich überzeugen willst, brauchst du keine Formel. Du brauchst Authentizität.

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Written by
chi.zhang
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