Wie bereits erwähnt, ist das Igel-Konzept eine andere Art der Schnittmengen-Suche. Es stammt aus dem Buch „Good to Great” von Jim Collins. Es basiert auf einer alten Parabel des griechischen Dichters Archilochos: „Der Fuchs weiß viele Dinge, aber der Igel weiß eine große Sache.”
Collins übertrug diese Idee auf Unternehmen und die Frage, wie man eine wirklich funktionierende Strategie findet. Seine Beobachtung: Die erfolgreichsten Unternehmen konzentrieren sich nicht auf hundert verschiedene Dinge. Sie konzentrieren sich auf eine einzige Sache, die sie besser machen als alle anderen. Sie sind wie der Igel, der nur eine Verteidigungsstrategie hat – sich einrollen –, diese aber perfekt beherrscht.
Die drei Kreise des Igel-Konzepts:
Das Modell besteht aus drei überlappenden Fragen:
- Wofür kannst du eine tiefe Leidenschaft entwickeln? (What you are deeply passionate about)
Nicht: Was findest du im Moment interessant? Sondern: Wofür könntest du dich so sehr begeistern, dass du die nächsten 10, 20 Jahre damit verbringen willst? - Worin kannst du der Beste der Welt werden? (What you can be the best in the world at)
Nicht: Worin bist du gut? Sondern: In welchem Bereich könntest du – mit genug Fokus und Anstrengung – die absolute Weltspitze erreichen? Collins betont: Es geht nicht um Arroganz, sondern um brutale Ehrlichkeit. Wenn du realistischerweise nicht der Beste werden kannst, dann ist es nicht dein Igel-Konzept. - Was treibt deinen wirtschaftlichen Motor an? (What drives your economic engine)
Nicht: Womit kannst du ein bisschen Geld verdienen? Sondern: Was ist die eine Kennzahl, die – wenn du sie maximierst – dein Geschäft nachhaltig profitabel macht? Collins nennt das den “Profit per X” – z. B. Gewinn pro Kunde, Gewinn pro Mitarbeiter, Gewinn pro Projekt.
Wie funktioniert es praktisch?
Collins sagt: Das Igel-Konzept zu finden, ist keine schnelle Übung. Es ist ein iterativer Prozess, der Jahre dauern kann. Große Unternehmen brauchten oft mehrere Anläufe, bevor sie ihren Igel gefunden hatten.
Der Prozess sieht ungefähr so aus:
- Brutale Ehrlichkeit: Frage dich: Worin bist du wirklich nicht gut? Worin könntest du niemals der Beste werden? Streiche diese Bereiche. Das klingt hart, aber es ist befreiend. Du eliminierst Optionen, die nur Energie kosten, aber nie zu Exzellenz führen.
- Leidenschaftstest: Frage dich nicht: “Was macht mir Spaß?” Sondern: “Wofür würde ich arbeiten, auch wenn ich nicht bezahlt würde?” Leidenschaft im Sinne des Igel-Konzepts ist keine Laune, sondern eine tiefe, dauerhafte Motivation.
- Ökonomische Realität: Finde heraus, welche Kennzahl wirklich zählt. Nicht Umsatz, nicht Anzahl der Kunden, sondern: Was ist der Hebel, der dein Geschäft skalierbar und profitabel macht?
- Die Schnittmenge: Wenn du alle drei Kreise ehrlich ausgefüllt hast, schau, wo sie sich überlappen. Das ist dein Igel-Konzept. Und dann: Ignoriere alles andere.
Mein Fazit:
Auch wenn es so aussieht, als wäre das Igel-Konzept ein ganz anderes Prinzip als das Ikigai, funktionieren beide als Schnittmengen-Suche. Das Ergebnis ist ebenfalls dasselbe: Je nach Fokus finden Sie einen Kompromiss.
Dass ein Kompromiss keine gute Grundlage für die Gründung eines Unternehmens bildet, habe ich bereits erklärt. Hier habe ich jedoch noch einen weiteren Grund, es nicht als „Wegweiser“ zu verwenden.
In dieser Phase wollen wir uns bereits als Mensch in die Mitte setzen. Auch wenn die beiden Ansätze dieses Prinzip scheinbar verfolgen, behandeln sie uns in diesem Vorgang trotzdem eher wie ein Werkzeug: Wir suchen nach Vorteilen und finden eine daraus resultierende Schnittmenge.
Das ist besonders trügerisch. Ich dachte anfangs, dass ich eine neue Methode gefunden habe, um mich in die Mitte zu setzen. Aber erneut betrachte ich mich selbst als Werkzeug und finde Vorteile, um mich zu instrumentalisieren.
Erst nach dieser Erkenntnis fängst du wirklich an, dich in die Mitte zu setzen und dich selbst zu verstehen. Dann wäre der perfekte Zeitpunkt gekommen, um „Start with Why“ kennenzulernen.
