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Effectuation: Warum du keinen Plan brauchst, um zu starten

Effectuation ist eine wissenschaftliche Theorie aus der Entrepreneurship-Forschung, entwickelt von Saras Sarasvathy. Sie hat erfolgreiche Unternehmer untersucht und gefragt: Wie denken sie? Wie treffen sie Entscheidungen?

Ihre Erkenntnis: Erfolgreiche Unternehmer denken nicht wie Unternehmensberater.

Die meisten Business-Modelle folgen einer kausalen Logik: Du setzt dir ein Ziel, analysierst den Markt, entwickelst eine Strategie und setzt sie um. Das ist rational, strukturiert – und funktioniert gut in stabilen, vorhersehbaren Umgebungen.

Aber Gründen ist das Gegenteil von stabil und vorhersehbar. Du hast keine Daten. Du hast keine Gewissheit. Du hast nur dich selbst, deine Mittel – und eine Menge Unsicherheit.

Effectuation sagt: Starte nicht mit einem Ziel. Starte mit dem, was du hast.

Die fünf Prinzipien der Effectuation:

  1. Bird-in-Hand (Vogel in der Hand):
    Starte mit deinen vorhandenen Mitteln. Frage nicht: “Was will ich erreichen?” Sondern: “Wer bin ich? Was weiß ich? Wen kenne ich?”
    • Wer bin ich? (Deine Identität, deine Werte, deine Erfahrungen)
    • Was weiß ich? (Dein Wissen, deine Fähigkeiten)
    • Wen kenne ich? (Dein Netzwerk, deine Kontakte)
  2. Aus diesen drei Elementen – nicht aus Marktanalysen oder großen Visionen – beginnst du zu bauen.
  3. Affordable Loss (Akzeptabler Verlust):
    Frage nicht: “Wie viel kann ich gewinnen?” Sondern: “Wie viel kann ich verlieren, ohne dass es mich zerstört?”
    Unternehmer, die nach Effectuation arbeiten, setzen sich Grenzen: “Ich investiere maximal 5.000 Euro und drei Monate Zeit. Wenn es danach nicht funktioniert, höre ich auf.”
    Das reduziert das Risiko und nimmt den Druck.
  4. Crazy Quilt (Verrückter Flickenteppich):
    Baue Partnerschaften. Frage nicht: “Wer ist meine Konkurrenz?” Sondern: “Wer will mit mir zusammenarbeiten?”
    Effectuation setzt auf Kooperation statt Wettbewerb. Du baust dein Geschäft, indem du Menschen findest, die sich einbringen wollen – mit Zeit, Geld, Wissen oder Kontakten.
  5. Lemonade (Limonade aus Zitronen):
    Nutze Überraschungen. Frage nicht: “Wie vermeide ich Fehler?” Sondern: “Wie kann ich aus unerwarteten Ereignissen etwas Neues schaffen?”
    Viele erfolgreiche Geschäftsmodelle entstanden nicht durch Planung, sondern durch Zufall. Instagram war ursprünglich eine Location-based App. Twitter war ein Nebenprodukt einer gescheiterten Podcasting-Plattform. Effectuation sagt: Sei flexibel. Nutze, was kommt.
  6. Pilot-in-the-Plane (Pilot im Flugzeug):
    Glaube nicht an Vorhersagen. Frage nicht: “Was wird die Zukunft bringen?” Sondern: “Was kann ich kontrollieren?”
    Du kannst die Zukunft nicht vorhersagen – aber du kannst sie gestalten. Indem du handelst, erschaffst du Realität.

Wie funktioniert es praktisch?

Effectuation ist kein Plan, sondern eine Denkweise. Der Prozess sieht ungefähr so aus:

  1. Inventur deiner Mittel:
    Schreibe auf:
    • Wer bist du? (Deine Identität: Introvertiert? Kreativ? Analytisch? Empathisch?)
    • Was weißt du? (Deine Fähigkeiten: Programmieren? Schreiben? Verkaufen? Organisieren?)
    • Wen kennst du? (Dein Netzwerk: Alte Kollegen? Freunde aus der Uni? Leute aus Hobbys?)
  2. Starte klein:
    Frage dich: Was kann ich heute mit diesen Mitteln machen? Nicht in sechs Monaten. Nicht nach einem perfekten Plan. Sondern heute.
    Vielleicht kennst du jemanden, der ein Problem hat, das du lösen kannst. Vielleicht hast du eine Fähigkeit, die du in einem kleinen Projekt testen kannst.
  3. Sprich mit Menschen:
    Erzähle anderen von deiner Idee – nicht um sie zu verkaufen, sondern um herauszufinden, wer mitmachen will. Wer sagt: “Hey, das klingt interessant. Kann ich helfen?”
    Diese Menschen werden Teil deines “Crazy Quilt” – deines Netzwerks aus Partnern, die dein Geschäft mitgestalten.
  4. Reagiere auf Feedback:
    Wenn jemand sagt: “Das ist interessant, aber ich bräuchte eigentlich eher X”, dann frag dich: “Kann ich X machen?” Wenn ja: Pivot. Wenn nein: Weiter.
  5. Setze dir Verlustgrenzen:
    Bevor du startest, entscheide: “Ich investiere maximal X Euro und Y Monate. Wenn es bis dahin nicht funktioniert, probiere ich etwas anderes.”

Mein Fazit:

Meiner Meinung nach ist Effectuation keine „Methode“. Sie ähnelt vielmehr einem Interviewprotokoll vieler Gründer. Zwar versuchen sie, daraus ein Muster zu bilden, doch am Ende vermitteln sie vor allem, welche Erfahrungen andere gesammelt haben.

Dass man daraus eine „Methode“ ableitet, ist für mich schwer nachvollziehbar. Ich interpretiere das eher als eine „Dos and Don’ts“-Liste, in die es sich zu schauen lohnt, die aber keine große Investition von Zeit rechtfertigt.

Written by
chi.zhang
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